Kraftrundbrief vom 31. Dezember 2020
Hallo Leute,hier kommt ganz zum Schluss mein letzter Newsletter für 2021.
Ich hoffe, ihr kommt gut ins neue Jahr und macht heute Abend was Schönes mit lieben Menschen an eurer Seite oder seid einfach entspannt und gemütlich zu Hause, genau wie ich.
Ich wollte euch gerne ein Gedicht schicken, das ich ziemlich witzig finde. Es gibt von Erich Kästner einen Gedichtzyklus, der heißt "Die 13 Monate". Wieso 13?, fragt ihr euch jetzt wahrscheinlich. Tja, Kästner hat halt ein ulkiges Gedicht über den vermeintlichen 13. Monat geschrieben, das ihr unter dieser Mail findet.
Aber Kästner kennen die meisten von euch wahrscheinlich und vielleicht findet ihr einige seiner Gedichte oder kleinen Romane genauso witzig, klug und zeitkritisch wie ich. Also, nicht aktuell zeitkritisch, obwohl einiges von ihm auch zeitlos wirkt. Aber für seine Zeit war er erstaunlich reflektiert und gesellschaftskritisch. Ich bin gespannt darauf, immer noch ein bisschen mehr von ihm zu lesen. Na ja, das ist etwas, das im neuen Jahr auf jeden Fall bleiben wird. Auch meine Suche nach spannenden, inspirierenden Texten wird mich weiterhin begleiten.
Im neuen Jahr möchte ich euch z.B. u.a. mit Marc Lévy oder Ronlyn Domingue bekannt machen, zwei eher moderneren Schreiberlingen, die mich wirklich begeistern. Aber da gibt es noch viel mehr tolle Leute und Texte zu entdecken. Lasst euch überraschen und überrascht auch mich gerne mit euren ganz persönlichen Lieblingen.
Ich möchte euch mit dem nahenden neuen Jahr auch noch etwas anderes Neues erzählen: Seit einiger Zeit kann ich endlich wieder selbst nach Braillebüchern in der Bibliothek in Leipzig suchen (die übrigens auch für körper- oder lernbehinderte Menschen offen ist und Hörbücher, Braillebücher, Noten, Spiele und Reliefbilderangebote wie Kalender, Landkarten oder Grußkarten vertreibt bzw. verleiht). Das mache ich ziemlich intensiv. Immer wenn ich denke, mir gehen die Ideen aus, kommen noch weitere Themen auf, die ich spannend finde. Natürlich gibt es auch nicht zu allem was, das ich lesenswert finde. Denn ich hab mal mitgekriegt, dass nur 5 % der Printbücher in Deutschland für blinde Leute adaptiert als Hörbuch, Braillebuch oder eBook zur Verfügung stehen. 5 %! Das ist krass wenig. Aber in Entwicklungslälndern ist es z.T. nur unter einem Prozent, so dass wir uns hier noch glücklich schätzen können! Mir kommt es oft immer noch sehr viel vor, aber zu vielen Themen findet man eben leider auch nicht so richtig was. Auf jeden Fall genieße ich es, wieder viele Braillebücher in den Händen haben zu dürfen. Zwischen den Jahren hat man ja vielleicht ein bisschen mehr Zeit zum Lesen als sonst. Was lest ihr im Moment so?
Was ich euch noch empfehlen möchte, ist der Newsletter "Was wir lesen" von der Zeit, denn das ist eine tolle Community und es werden immer donnerstags Leseempfehlungen rumgeschickt. Die haben mich teilweise auch schon toll angeregt und ich habe mir sogar das eine oder andere Buch gekauft, das dort empfohlen wurde. In letzter Zeit habe ich auch wieder mehr Hörbuch rezipiert, obwohl mir das leider zunehmend schwer fällt und ich zum richtigen Aufnehmen Sachen lieber unter den Fingern habe. Wie und wo lest ihr am liebsten?
Außerdem habe ich dieses Jahr an der Aktion "Schreib mal wieder" von der Jungen Caritas teilgenommen. Man konnte sich per Mail melden, hat dann eine Adresse bekommen und so wie man wollte Briefe geschrieben, also man war in Inhalt und Gestaltung völlig frei. Ich habe es so ähnlich gemacht wie in meinem Silvestergruß, noch ein kleines Anschreiben dazu verfasst und bin gespannt, ob ich Rückmeldungen bekomme. Wir wurden zwar gewarnt, dass das nicht immer passiert und dass es eine einmalige Aktion sein soll. Aber sie wurde auch schon letztes Jahr durchgeführt und ich finde es sehr schön, dass sich das fortsetzt. Ich bin zwar eher ein Email-Mensch, aber vielleicht hat ja der eine oder die andere von euch Lust, auch mal wieder einen Print-Brief zu schreiben. Dazu gibt es auch noch eine wirklich schöne Möglichkeit in Belgien: Braillepost.
Hier der Link:
www.braillepost.be
Man kann einen Text dort hinschicken, entscheiden, ob er in Voll- oder Kurzschrift gedruckt werden soll und ihn dann an eine blinde Person schicken lassen. Wenn ich es nicht selbst nicht schon bekommen hätte und die Leute mich dort also nicht schon als Empfängerin kennen würden, würde ich das auch machen. Oder wenn mein Brailledrucker endlich vernünftig mit meinem Laptop zusammenarbeiten würde. Aber mit dem neuen Gerät haben wir uns noch nicht an die Installation gewagt und bei meinem alten Festnetz-Computer hat es irgendwie immer nicht so richtig funktioniert. Aber na ja, wir kriegen das schon noch hin und wenn es soweit ist, sag ich euch sofort Bescheid. Ich finde es eine tolle Idee, solche Kapazitäten zu teilen und auch andere davon profitieren zu lassen.
Und jetzt noch ein paar tolle Jahresrückblicksnewsletter und Aussichten für das neue Jahr:
In der Zeit in "Was jetzt?" wurde ein Weihnachtsnewsletter nur mit guten Nachrichten letzten Freitag rumgeschickt und zum neuen Jahr haben sie die Kolleg*innen gefragt, warum sie Hoffnungen fürs nächste Jahr haben. Ich kann nur empfehlen, so was zu lesen, denn es ist wirklich inspirierend. Der Newsletter "Green" der Zeit ist sowieso immer wirklich spannend geschrieben. Es geht darin um Nachhaltigkeit und neue Ideen für mehr Umweltbewusstsein. Der Letter "Good News", von dem ich euch schon erzählt habe, ist ähnlich nachhaltig und gleichzeitig ermutigend. Den Artikel von Michaela Haas müssten einige von euch eh schon heute Abend von mir bekommen haben.
Wer keine Online-Newsletter abonnieren kann oder möchte, für den habe ich noch das wunderschöne Buch "Das Königreich Novemberland", das ich an den Feiertagen bei meinen Eltern gelesen habe. Es geht um einen König, der das Lachen verlernt hat. Deshalb ist in seinem Land permanent November. Leider wirkt sich das auch auf einen berühmten Zirkus aus, der geschlossen werden soll. Nun macht sich ein besonders kleiner Clown auf den Weg, um den König wieder das Lachen zu lehren. Es ist ein turbulentes, manchmal urkomisches, melancholisches und nachdenkliches Buch und natürlich geht es auch gut aus. Aber nicht nur durch den kleinen Clown, sondern auch mit Hilfe von zwei lieben und z.T. sehr witzig-kritischen Gefährt*innen, die er unterwegs getroffen hat. Mehr verrate ich nicht, sonst ist die Lektüre nicht mehr spannend. Aber ich finde es sehr empfehlenswert, nicht nur für Kinder. Na, wann habt ihr das letzte Mal so richtig Tränen gelacht und worüber oder mit wem zusammen?
Hier in Berlin ist es ein bisschen milder für ein paar Tage und leider sprießen auch meine Frühlingsblumenzwiebeln schon etwas. Also, klar ist das auch schön, aber ich mach mir Sorgen, was passiert, wenn es wieder kälter ist und erneut Nachtfrost gibt. Na ja, letztes Jahr haben sie sogar Eis und Schnee überlebt. Nein, Eis eher nicht. Also, ich hoffe einfach das Beste und freu mich riesig auf den Frühling.
So, jetzt schnell die Gläser füllen und mit einem Lächeln ab ins neue Jahr! Ich wünsch euch ganz viel Freude, Gesundheit, Glück und spannende Erlebnisse sowie wunderschöne Begegnungen in 2022!
Herzliche Grüße,
Katrin
...............................
Der Dreizehnte Monat
Erich Kästner
Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
Schaltmonat wär? Vielleicht Elfember hieße?
Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?
Der Frühling müßte blühn in holden Dolden.
Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden,
im Herbstgeäst.
Die Tannen träten unter weißbeschneiten
Kroatenmützen aus dem Birkenhain
und kauften auf dem Markt der Jahreszeiten
Maiglöckchen ein.
Adam und Eva lägen in der Wiese.
und liebten sich in ihrem Veilchenbett,
als ob sie niemand aus dem Paradiese
vertrieben hätt.
Das Korn wär gelb. Und blau wären die Trauben.
Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
Dreizehnter Monat, laß uns an dich glauben!
Die Zeit hat Raum!
Verzeih, daß wir so kühn sind, dich zu schildern.
Der Schleier weht. Dein Antlitz bleibt verhüllt.
Man macht, wir wissen's, aus zwölf alten Bildern
kein neues Bild.
Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen!
Aus Farben, die kein Regenbogen zeigt!
Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen!
Du schweigst? Er schweigt.
Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
Und werden kann nur, was schon immer war.
Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
Und dem Dezember folgt der Januar.
Zurück zu Kraftrundbrief / Empowerment-Newsletter
Zurück zur Startseite