Mein Leben – mein Studium
Um mein Studium bewältigen zu können, bin ich auf Hilfe angewiesen. Die aktuell für mich arbeitenden Assistenten tun was sie können. Sie haben aber auch nur beschränkte Möglichkeiten, weil sie ja auch noch ihr eigenes Studium absolvieren müssen. Außerdem kann ich ohne technische Hilfsmittel wie Braillenotizgerät, Hörgeräte und Mikroportanlage, die ich momentan nicht habe, nicht studieren. Die größte Schwierigkeit ist es, die Dozenten davon zu überzeugen, mir die nötigen Materialien rechtzeitig digital vorzulegen, mein Mikro, sofern es vorhanden ist, herumzureichen oder mich überhaupt an Kursen teilnehmen zu lassen. Es sollte nicht länger so sein, dass jeder einzelne Studierende mit Behinderung sich bei jedem Dozenten in eine Bittsteller-Position begeben muss, um seine Bedürfnisse angeben und durchsetzen zu können. Würden einige Dozenten ein bisschen mehr Flexibilität und Entgegenkommen zeigen und wären die Bedingungen an der Universität insgesamt etwas behindertenfreundlicher, gäbe es gar nicht so viele Probleme für die von Behinderung betroffenen Studierenden. Es gibt ja schon einiges an Regelungen, Gesetzen, Nachteilsausgleichen u.a., sie werden aber leider nicht konsequent umgesetzt. Natürlich müssen auch die behinderten Studierenden ihren Teil dazu beitragen, aber stehen Sie einmal allein vor einem Dozenten, der sich weigert, Ihnen zu helfen und finden Sie dann noch die richtigen Worte. Es ist jedes Mal demütigend, diskriminierend und es verschlägt einem die Sprache. Mir jedenfalls geht es so.(erschienen in 'beeinträchtigt studieren - Sondererhebung zur Situation von Studierenden mit Behinderung und chronischer Krankheit', herausgegeben von Deutschen Studierendenwerk, Berlin, Juni 2012)
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